Die Täler im Wettersteingebirge: Wilde Schluchten, sonnige Almen & Einsamkeit
Das Wettersteingebirge gehört zu den eindrucksvollsten Kalkmassiven der Alpen. Doch so steil und unnahbar die Felswände von Zugspitze, Hochwanner und Alpspitze in den Himmel ragen, so abwechslungsreich präsentieren sich die Täler, die das Gebirge durchziehen.
Sie sind die Lebensadern des Wettersteins: Hier stürzen kristallklare Gebirgsbäche durch enge Klammen, breiten sich saftig grüne Almwiesen aus und schlängeln sich die Wandersteige hinauf zu den höchsten Gipfeln. Du hast die Wahl – zwischen den schattigen, dramatischen Nordtälern auf bayerischer Seite bis zu den weiten, sonnenverwöhnten Hochtälern in Tirol. In dieser Übersicht stelle ich dir die fünf wichtigsten Täler des Wettersteingebirges ausführlich vor.
Die 5 schönsten Täler im Wettersteingebirge
1. Das Reintal: Das beliebteste Zugspitztal auf der bayerischen Seite
Das Reintal ist das zentrale Längstal des Wettersteinmassivs. Es zieht sich von der Skistadion-Kulisse in Partenkirchen kilometerweit nach Westen bis direkt an den steilen Sockel des Zugspitzplatts. Landschaftlich wird das Tal von mächtigen Kontrasten geprägt: Während im Süden die gewaltige Nordwand des Hochwanner aufragt, begrenzen im Norden die Felszacken der Waxensteinkette den Horizont.
Der Weg durch das Reintal folgt immer dem Lauf der Partnach. Gleich zu Beginn wartet mit der imposanten Partnachklamm ein spektakuläres Naturschauspiel. Im weiteren Verlauf flacht das Tal ab, passiert das Areal wo früher die Blaue Gumpe war und führt durch lichten Bergwald zur Reintalangerhütte. Das Reintal gilt zwar wegen seiner Länge als konditionell fordernd, ist dank des moderaten Anstiegs aber die landschaftlich entspannteste Route, um die Zugspitze von deutscher Seite aus zu Fuß zu bezwingen.
2. Das Höllental: Spektakulär, steil & schattig
Direkt westlich von Grainau und unterhalb der gewaltigen Zugspitz-Ostwand führt das Höllental mitten die Felsen hinein. Es ist das wildeste, engste und dramatischste Tal des gesamten Wettersteingebirges. Die Sonneneinstrahlung ist im kesselförmigen Talboden gering, was dem Höllental seinen düsteren Charakter verleiht.
Der Eingang wird von der reißenden Höllentalklamm gebildet, in der sich das Wasser des Höllentalbachs durch engste Felsspalten drängt. Dahinter öffnet sich der alpine Kessel mit der modern neugebauten Höllentalangerhütte. Von hier aus geht es für erfahrene Alpinisten steil weiter über das Hupfleitenjoch zum Osterfelderkopf oder über die berühmte Klettersteig-Route samt Höllentalferner-Gletscher direkt zum Zugspitzgipfel.
3. Das Gaistal: Das sonnige Almenparadies in Tirol
Auf der tiroler Südseite bildet das Gaistal das sonnige Pendant zu den schattigen Nordtälern in Bayern. Es erstreckt sich zwischen den gewaltigen Südwänden des Wetterstein-Hauptkamms und den sanfteren Ausläufern der Mieminger Kette. Da das Tal für den öffentlichen motorisierten Verkehr gesperrt ist, ist das Gaistal ein Eldorado für Mountainbiker, E-Biker und Genusswanderer.
Entlang der Leutascher Ache reihen sich urige Almen wie die Hämmermoosalm, die Gaistalalm und die Tillfussalm aneinander. Auf den saftig grünen Bergwiesen weiden im Sommer hunderte Kühe. Sie bilden den perfekten Kontrast zu den weiß glänzenden Kalkfelsen des Hochwanner. Zudem zweigen vom Gaistal die Anstiege zu den türkisfarbenen Gebirgsseen Seebensee und Drachensee ab.
4. Das Puittal: Unberührte Stille im Ostteil
Das Puittal ist das unberührte Juwel an der Südostseite des Wettersteins. Es liegt eingezwängt zwischen den kühnen Felsburgen der Scharnitzspitze und der Gehrenspitze. Im Gegensatz zum benachbarten Gaistal findest du im Puittal weder Forststraßen noch bewirtschaftete Hütten – hier regieren unverfälschte Natur, rauschendes Quellwasser und schroffe Geröllkare.
Die Wanderung beginnt im Weiler Puitbach bei Leutasch und führt steil durch das gesamte Tal empor zum Scharnitzjoch. Wer die Stille sucht und alpine Einsamkeit zu schätzen weiß, ist hier genau richtig. Am Scharnitzjoch eröffnet sich ein fantastischer Übergang über die Wettersteinhütte ins Gaistal.
5. Das Leutaschtal: Das weitläufige Hochplateau
Das Leutaschtal verläuft auf rund 1.130 Metern Seehöhe südlich der Zugspitze. Er erstreckt sich auf rund 16 Kilometer Länge. Du findest in diesem Hochtal 24 idyllische Weilern. Dank seiner Ost-West-Ausrichtung ist das Hochplateau extrem sonnenverwöhnt. Das Ortsbild wird bis heute von traditioneller Landwirtschaft, zwei imposanten Pfarrkirchen und 22 historischen Kapellen geprägt.
Die weitläufigen Moor- und Wiesenlandschaften bieten eine erstaunliche Artenvielfalt mit kunterbunten Blütenwiesen bis in den Juni hinein. Am östlichen Talausgang bei Mittenwald wartet mit der Geisterklamm zudem ein spektakulärer Wasserfall- und Klammsteig. Durch seine flache Topografie im Talboden und die perfekte ÖPNV-Anbindung ist das Leutaschtal der ideale Ausgangspunkt für einen Urlaub im Wettersteingebirge – fern des Trubels.
Welches Tal passt zu deinen Plänen?
- Für Genießer & Radfahrer: Das Gaistal bietet breite, bestens ausgebaute Wege, viele Einkehrmöglichkeiten und eine atemberaubende Kulisse.
- Für Naturgenießer & Familien: Das Leutaschtal punktet mit sonnigen Spazierwegen, der erlebnisreichen Geisterklamm und entspannter Mobilität.
- For Klassiker-Wanderer & Zugspitz-Aspiranten: Das Reintal belohnt mit sanftem Anstieg, rauschenden Wasserfällen und viel Schatten an heißen Sommertagen.
- Für Klamm-Fans & Klettersteig-Geher: Das Höllental beeindruckt durch seine extrem steile Felskulisse und den hochalpinen Charakter.
- Für Ruhesuchende & Einsamkeitsgenießer: Das Puittal garantiert Stille, unverfälschte Bergpfade und spektakuläre Karwendel-Blicke.
Mein Fazit
Die Täler des Wettersteingebirges machen den besonderen Reiz dieser Gebirgsgruppe aus. Sie bilden den Kontrast zwischen sanften Almen und schroffen Kletterwänden. Wer das Wettersteingebirge wirklich in all seinen Facetten kennenlernen möchte, sollte mindestens einmal das schattig-wilde Reintal auf der Nordseite und das sonnenverwöhnte Gaistal auf der Südseite durchwandert haben.
Wenn du die verschiedenen Facetten der Wetterstein-Täler erkunden möchtest, bietet sich ein zentrales Basislager auf der sonnigen Südseite an. Das Bio-Hotel Leutascherhof im Leutaschtal ist dafür der perfekte Ausgangspunkt: Von hier aus erreichst du das Gaistal, das Puittal und die Geisterklamm direkt vor der Haustür und nutzt die Regiobusse vollkommen entspannt und autofrei.

