Obere Wettersteinspitze: Der anspruchsvolle Aussichtsgipfel über Mittenwald
Als östlicher Eckpfeiler des Wettersteingebirges zieht die Obere Wettersteinspitze auf 2.297 Metern Höhe schon vom Tal aus alle Blicke auf sich. Wer von Mittenwald hinauf zum Lautersee oder Ferchensee spaziert, blickt automatisch an ihren steilen Felsflanken empor. Doch während unten die Tagesausflügler am Seeufer entspannen, fordert dieser Berg oben am Hang echte alpine Erfahrung.
Diese Tour ist keine gemütliche Familienwanderung mehr, sondern eine anstrengende, hochalpine Bergtour, die dir im oberen Drittel leichte Kletterei im I. Schwierigkeitsgrad (UIAA) abverlangt. Belohnt wirst du dafür mit absoluter Ruhe, steilen Tiefblicken auf die smaragdgrünen Seen und einem der eindrucksvollsten Panoramablicke weit hinein ins Leutaschtal und zum Karwendelgebirge!
In diesem Beitrag zeige ich dir, wie der Weg verläuft, welche Anforderungen auf dich warten und wie du deine Gipfeltour am besten planst.
Auf einen Blick: Obere Wettersteinspitze
- Höhe: 2.297 m ü. NHN
- Lage: Östliches Wettersteingebirge, direkt oberhalb von Mittenwald und Ferchensee
- Schwierigkeit: Schwer / Alpinwanderung (T4 / UIAA I)
- Dauer: ca. 8 Stunden (reine Gehzeit für Auf- und Abstieg)
- Höhenmeter: ca. 1.400 hm im Auf- und Abstieg
- Beste Reisezeit: Juli bis Oktober (nur bei absolut trockener und schneefreier Witterung)
- Besonderheit: Kombiniert Bergwald, Karlandschaften und kraxelige Felsabschnitte mit spektakulären Tiefblicken
Aufstieg & Anreise: Der Weg auf den Gipfel
Der Anstieg auf die Obere Wettersteinspitze verlangt Ausdauer und gliedert sich in verschiedene Abschnitte, die Schritt für Schritt steiler und feiner im Gelände werden.
Der Auftakt gestaltet sich noch sanft: Von Mittenwald wandert man zunächst Richtung Lautersee und weiter zum Ferchensee. Wer sich knapp 1,5 Stunden Anmarsch sparen möchte, nimmt im Sommer den lokalen Wanderbus bis zum Ferchensee. Am Südwestufer des Ferchensees zweigt der Pfadließlich nach Süden ab und leitet zügig über Serpentinen durch den schattigen Bergwald bergauf.
Nach dem dichten Waldgelände erreichst du das offene Kar unterhalb der mächtigen Felswände. Über mühsames Schottergelände und von Latschen gesäumte Pfade steigst du weiter auf, bis du das grüne Hochplateau des Gemsangers (1.974 m) erreichst. Bis zu dieser Almterrasse ist die Tour noch eine anspruchsvolle Wanderung und bietet bereits einen genialen Rastplatz mit Tiefblick.
Ab dem Gemsanger verändert sich der Charakter der Tour grundlegend: Ein großer roter Pfeil markiert den Einstieg in die Felszone. Über schrofige Bänder, steile Schuttrinnen und kurze Felsstufen kraxelst du im I. Grad nach UIAA Richtung Gipfelgrat. Drahtseile sichern nur sehr wenige Schlüsselstellen, sodass du größtenteils im ungesicherten, aber griffigen Fels unterwegs bist. Das schmale Gipfelkreuz erreichst du schließlich über den luftigen Ausstieg.
Die Highlights der Tour
Abseits des reinen Wanderwegs punktet die Obere Wettersteinspitze mit ein paar ganz besonderen Eindrücken:
Kraxelei für Bergfexen
Wer gerne Hand an den Fels legt und wem reine Wanderwege zu langweilig sind, wird den Schlussanstieg oberhalb des Gemsangers lieben. Der steile Fels ist meist gut griffig, erfordert aber ständige Konzentration und einen kühlen Kopf.
Der Gemsanger als Panoramaplattform
Das kleine, begrünte Plateau des Gemsangers liegt spektakulär unter den Wänden des Gipfels. Es ist der ideale Punkt, um noch einmal durchzuatmen, bevor der alpine Schlussspurt beginnt.
Blick auf Ferchensee & Arnspitze
Unterwegs blitzt immer wieder das smaragdgrüne Auge des Ferchensees weit unter dir auf. Am Gipfelkreuz stehst du schließlich genau an der Grenze zwischen Bayern und Tirol und blickst hinüber zur benachbarten Arnspitzgruppe, ins Leutaschtal und über den gesamten Talkessel von Mittenwald.
Verpflegungs-Tipp: Wasser- & Brotzeit-Planung
Beachte für deine Vorbereitung: Am eigentlichen Anstieg zur Oberen Wettersteinspitze gibt es keine Hütte und keine Wasserstellen mehr! Nimm dir aus dem Tal unbedingt mindestens 2 bis 3 Liter Wasser und eine kräftige Brotzeit mit. Einkehr- und Stärkungsmöglichkeiten findest du erst wieder am Ende der Tour in den Gaststätten am Ferchensee oder Lautersee.
Praktische Infos für deine Planung
Anreise & Parken
Achtung: Eine Zufahrt zum Ferchensee wäre ideal, ist aber nicht möglich. Die Teerstraße ist für den öffentlichen Verkehr gesperrt! Daher startest du deine Tour im Tal in Mittenwald, dort wählst du am besten folgende Parkplätze:
- „P1“ – Parkplatz am Bahnhof Mittenwald (kostenpflichtig, ideal auch für die Anreise mit der Werdenfelsbahn)
- „P2“ – Parkplatz am Dekan-Karl-Platz in Mittenwald (kostenpflichtig, zentral gelegen)
- Wanderparkplatz an der Leutascher Straße (wenige Plätze kurz nach dem Ortsausgang in der Kehre)
Anreise mit ÖPNV
Mit der Bahn reist du bis Bahnhof Mittenwald. Von dort spazierst du entweder zu Fuß durch das Laintal zum Lauter- und Ferchensee oder steigst am Bahnhof in den Wanderbus zum Ferchensee um, um Kraft und Zeit zu sparen.
Mein Fazit – Lohnt sich die Obere Wettersteinspitze?
Die Obere Wettersteinspitze ist für mich eines der eindrucksvollsten und ehrlichsten Bergabenteuer rund um Mittenwald. Sie verlangt dir durch die knapp 1.400 Höhenmeter und die Kraxelpassagen zwar einiges ab, belohnt dich dafür aber mit einem Gipfelerlebnis, das im Vergleich zu überlaufenen Modegipfeln wunderbar ruhig und naturbelassen geblieben ist.
Mein persönlicher Insider-Tipp für dich: Mache diese Tour nur bei absolut trockenem Fels! Bei Nässe oder Restschnee verwandeln sich das Schotterkar und die Felsbander oberhalb des Gemsangers schnell in eine sehr feuchte, rutschige Angelegenheit. Wenn du an einem stabilen Altweibersommertag im September oder Oktober früh startest, liegt das Tal im Morgennebel, während du oben im wärmenden Sonnenlicht kraxelst. Und das Allerbeste: Wenn du am späten Nachmittag wieder im Tal ankommst, führt dich der Rückweg direkt am Ferchensee vorbei – die wohl verdienteste und erfrischendste Abkühlung, die man sich nach einer langen Bergtour wünschen kann!
