Der Hochblassen: Der wilde Felswächter über dem Stuibensee
Direkt östlich der prominenten Alpspitze ragt der Hochblassen (2.703 m) als mächtiger, zackiger Felsklotz auf. Während die Alpspitze über die berühmte Ferrata Scharen von Bergsteigern anzieht, bleibt der Hochblassen ein ruhiges, unnahbares Ziel für erfahrene Alpinisten.
Der Berg bildet die Schlüsselstelle im Übergang vom Alpspitzgebiet hinüber zum legendären Jubiläumsgrat und thront direkt über dem eher unbekanten Stuibensee. Wer den mühsamen, weglosen Anstieg auf sich nimmt, wird mit absoluter Einsamkeit, wilden Felsen und einem überwältigenden Blick in den Tiefen des Reintals belohnt. In diesem Beitrag erfährst du alles über die Anstiegsrouten, alpine Anforderungen und praktische Tipps für den Hochblassen.
Der Hochblassen auf einen Blick
Der Hochblassen liegt auf 2.703 m ü. NHN im bayerischen Teil des Wettersteingebirges. Geografisch verbindet sein langgestreckter Felsgrat die Alpspitze im Westen über die Grießkarsscharte mit den Blassenköpfen und den steilen Abstürzen hinein ins Reintal im Süden.
Eine Besteigung des Hochblassens ist eine reine, anspruchsvolle Hochtour außerhalb von markierten Wanderwegen. Es gibt keine Schilder, keine Stahlseile und keine Einkehrmöglichkeit am Gipfel. Die Route erfordert Orientierungssinn, absolute Trittsicherheit in steilstem Schutt und brüchigem Fels sowie Klettervermögen im I. bis II. Schwierigkeitsgrad (UIAA). Die beste Zeit für eine Begehung reicht von Juli bis September, wenn die steilen Nordkarre und die felsigen Rinnen eisfrei sind.
Anstiegsroute auf den Hochblassen
Die gängigste und logischste Route startet am Osterfelderkopf und führt über den idyllischen Stuibensee von Osten her auf den Gipfel.
1. Zustieg vom Osterfelderkopf zum Stuibensee
Du startest an der Bergstation der Alpspitzbahn am Osterfelderkopf (2.057 m). Von dort folgst du dem Wanderweg unterhalb der Alpspitz-Nordwand hinab in die Bernadeinmulde und steigst sanft wieder an in Richtung Bernadeinspitze. Der Pfad leitet dich direkt zum versteckt liegenden Stuibensee (1.921 m), in dessen klarem Wasser sich die gewaltige Nordwand des Hochblassens spiegelt.
2. Durch das Hochkar in die Grießkarsscharte
Vom Stuibensee hältst du dich südwestlich und steigst unwegsam in das Kar unterhalb der Blassenwände ein. Auf Steigspuren und mühsamem Geröll geht es steil bergauf in Richtung der Grießkarsscharte (2.463 m) zwischen Alpspitze und Hochblassen. Hier stößt du auf die schrofigen Ausläufer des Felsmassivs.
3. Felsaufstieg über den Ostgrat / Nordflanke
Ab der Scharte bzw. den oberen Karflächen beginnt die eigentliche Kraxelei. Der Weg leitet über Felsbänder, steile Rinnen und ausgesetzte Gratschneiden. Hier ist mehrfach Hände-Einsatz im I. und II. Klettergrad gefordert. Das Gestein ist wettersteintypisch stellenweise brüchig. Am Gipfelkreuz des Hochblassens angekommen, genießt du nach rund 3,5 bis 4,5 Stunden reiner Gehzeit (ab Osterfelderkopf) ein grandioses Panorama.
Highlights: Der Blick auf den Jubiläumsgrat & das Reintal
Der Hochblassen belohnt den ausdauernden Alpinisten mit Perspektiven, die nur wenigen Bergsteigern vorbehalten sind. Ein absolutes Highlight ist der unverbaut freie Blick auf den Jubiläumsgrat. Du schaust direkt auf die wilden Felszacken, die sich vom Hochblassen über die Vollkarspitze bis hinauf zur Zugspitze ziehen. Nach Süden fällt die Felswand gigantische 1.300 Höhenmeter steil ab hinein ins grüne Reintal – genau dorthin, wo einst die Blauen Gumpen lagen.
Ausrüstung & Sicherheitshinweise
Da am Hochblassen keinerlei Sicherungen oder Markierungen vorhanden sind, gehört die Tour nur in die Hände erfahrener Bergsteiger:
- Helmzwang: Im Steilkar und in den Felsrinnen besteht erhebliche Steinschlaggefahr durch Bröckelfels oder voraussteigende Personen.
- Schuhwerk: Trittfeste, steife Kategorie-B/C-Bergstiefel für guten Halt auf schmalen Felsbändern und im Geröll.
- Wetter & Orientierung: Nur bei absolut stabiler Wetterlage gehen! Bei Nebel ist die Orientierung im weglosen Kar extrem schwierig, bei Nässe wird der Fels lebensgefährlich rutschig.
Einkehr auf der Tour
- Kreuzeckhaus (1.652 m): Ideal für eine ausgiebige Rast auf dem Rückweg, wenn du den Abstieg vom Stuibensee über die Bernadein-Alm in Richtung Kreuzeck wählst.
- Alpspitz-Restaurant (Osterfelderkopf, 2.057 m): Direkter Einkehrpunkt an der Bergstation für ein kaltes Getränk nach der Tour.
Praktische Infos für deine Planung
Anreise & Parken
Parkplatz Kreuzeckbahn / Alpspitzbahn (Am Kreuzeckbahnhof 1, 82467 Garmisch-Partenkirchen): Zentraler, kostenpflichtiger Großparkplatz an der Talstation der Alpspitzbahn.
Anreise mit ÖPNV
Mit der Zahnradbahn der Bayerischen Zugspitzbahn fährst du vom Hauptbahnhof Garmisch-Partenkirchen direkt bis zur Haltestelle Kreuzeckbahn / Alpspitzbahn und schwebst von dort bequem mit der Alpspitzbahn hinauf zum Ausgangspunkt am Osterfelderkopf.
Mein Fazit – Lohnt sich der Hochblassen?
Der Hochblassen ist ein echtes Juwel für Alpinisten, die dem Trubel rund um die Alpspitze entfliehen wollen. Er verlangt Spürsinn, Kondition und volle Aufmerksamkeit im Fels, belohnt dafür aber mit Einsamkeit, dem Stuibensee auf dem Weg und einem der eindrucksvollsten Tiefblicke im gesamten Wettersteingebirge.
Mein persönlicher Insider-Tipp für dich: Starte mit der allerersten Alpspitzbahn am Morgen! So erreichst du den Stuibensee noch im sanften Morgenlicht, wenn der Hochblassen sich makellos im See spiegelt, und hast im steilen Gipfelkar die kühlen Temperaturen der Frühfrühe auf deiner Seite.
Suchst du nach weiteren Tourenideen für die folgenden Tage? Anspruchsvoll und gleich um die Ecke sind die Waxensteine. Wenn du am nächsten Tag eine sanftere Panoramarunde drehen willst, bietet sich der Weg zum Kreuzeck oder eine gemütliche Wanderung über den Eckbauer an. Möchtest du dagegen eine faszinierende Schlucht erleben, lohnt sich der Durchstieg durch die Höllentalklamm, die beliebte Partnachklamm oder die kostenlose Leutaschklamm!
