Das Kreuzeck: Panoramablick auf die Wetterstein-Nordwand
Direkt oberhalb von Garmisch-Partenkirchen ragt das Kreuzeck (1.651 m) vor den schroffen Felsabstürzen der Alpspitze empor. Bekannt ist die grüne Bergkuppe vor allem durch die alpine Ski-Weltcup-Rennstrecke Kandahar, doch auch in der schneefreien Zeit von Frühjahr bis Spätherbst lohnt sich ein Ausflug auf diese Aussichtskanzel im Wettersteingebirge.
Dank der schnellen Auffahrt mit der Kreuzeckbahn ist das sanft gewellte Plateau ein idealer Ausgangspunkt für Touren jeden Anspruchs. Das Wegenetz verbindet gemütliche Alpenspaziergänge von Hütte zu Hütte mit anspruchsvolleren Anstiegen in Richtung Osterfelderkopf oder hinein in die wilde Höllentalklamm. Auf der großen Sonnenterrasse am Gipfel öffnet sich ein freier Blick über das Werdenfelser Land und die mächtigen Nordwände des Wettersteingebirges. In diesem Beitrag findest du detaillierte Routenbeschreibungen, geografische Fakten, historische Hintergründe und praktische Tipps für deinen Tag am Kreuzeck.
Das Kreuzeck auf einen Blick
Das Kreuzeck liegt auf 1.651 m ü. NHN im bayerischen Teil des Wettersteingebirges, direkt südlich des Garmisch-Partenkirchener Ortsteils Garmisch. Der Berg verdankt seinen Namen dem prägnanten hölzernen Gipfelkreuz, das sich unmittelbar neben dem Kreuzeckhaus befindet. Geografisch bildet die sanft bewaldete Kuppe den Übergang von den Talböden des Loisachtals hin zu den hochalpinen Kalkfelsen des Alpspitzmassivs.
Historisch nimmt das Kreuzeck eine Pionierrolle bei der touristischen Erschließung der bayerischen Alpen ein: Die erste Kreuzeckbahn nahm bereits im Jahr 1926 ihren Betrieb als Großkabinen-Schwebebahn auf. Heute befördert eine moderne Zweiseilumlaufbahn (2S-Bahn) Fahrgäste in nur knapp 7 Minuten von der Talstation auf 750 Metern Höhe hinauf zum Gipfelbereich.
Auch im alpinen Skisport schrieb der Berg Geschichte. Auf der legendären Kandahar-Piste wurde 1936 das alpine Skirennen bei den Olympischen Winterspielen ausgetragen. Das Gelände gilt bis heute als eine der steilsten und technisch anspruchsvollsten Rennstrecken im gesamten FIS-Weltcup-Zirkus.
Wer den Aufstieg aus dem Tal komplett aus eigener Kraft absolviert, überwindet rund 900 Höhenmeter über gut ausgebaute Forst- und Steigwege. Für reine Plateauwanderungen rund um die Bergstation ist das Gelände hingegen flach bis mäßig geneigt, weshalb sich die Wege hervorragend für Familien mit Kindern sowie für Senioren eignen. Die Hauptsaison für Sommerwanderungen reicht von Mitte Mai bis Ende Oktober.
Die schönsten Wanderungen am Kreuzeck
Rund um das Kreuzeck stehen verschiedene Wanderrouten zur Auswahl, die sich zu abwechslungsreichen Tages- und Halbtagestouren kombinieren lassen.
Der klassische Fußaufstieg aus dem Tal
Der direkte Anstieg zu Fuß beginnt am Parkplatz der Kreuzeckbahn im Ortsteil Hammersbach bzw. Garmisch-West. Du folgst zunächst der Beschilderung in Richtung Riessersee und wählst an der Weggabelung den leicht ansteigenden Forstweg durch den dichten Bergmischwald. Die Route gewinnt stetig an Höhe und kreuzt im mittleren Abschnitt mehrfach die eisfreien Schneisen der Kandahar-Rennstrecke sowie die Trasse der historischen Bayerischen Zugspitzbahn. Im oberen Drittel wird der Weg steiler und geht in schmale Serpentinen über, die dich vorbei an der Tröglalm direkt zum Ziel leiten. Für die 900 Höhenmeter hinauf zum Kreuzeckhaus solltest du eine reine Gehzeit von etwa 2,5 bis 3 Stunden einplanen.
Der Höhenweg hinauf zum Osterfelderkopf
Diese aussichtsreiche Verbindung gehört zu den beliebtesten Etappen im gesamten Wandergebiet Garmisch-Classic. Von der Bergstation der Kreuzeckbahn folgst du dem gut ausgebauten Fahrweg sanft bergan in Richtung Südwesten. Der Pfad führt dich nach wenigen Minuten auf den Genuss-Erlebnisweg, der mit interaktiven Informationsstationen zur alpinen Pflanzen- und Tierwelt gestaltet ist. Du passiert die geschützt liegende Hochalm und steigst im Anschluss über den Längenfelder Weg in mehreren Kehren durch schrofiges Almgelände empor. Die gewaltige, fast senkrecht aufragende Nordwand der Alpspitze hast du dabei fast während der gesamten Tour direkt vor Augen. Bis zur Bergstation am Osterfelderkopf auf 2.057 m benötigst du rund 1,5 Stunden bei etwa 400 Höhenmetern Aufstieg.
Der panoramareiche Abstieg über den Riessersee
Für einen entspannten Rückweg ins Tal bietet sich die Route über die Aschenbrenner-Hütte an. Von der Bergstation schlägst du den Weg in östliche Richtung ein und wanderst auf einem Waldpfad schattig bergab. Nach etwa einer Stunde Gehzeit erreichst du die historische Aschenbrenner-Hütte, die sich für eine kurze Rast anbietet. Von dort führt der Weg weiter hinab zum idyllisch gelegenen Riessersee. Der See ist historisch bekannt für seine historische Hornschlitten- und Bobbahn, auf der 1936 die olympischen Wettbewerbe stattfanden. Am flachen Nordufer des Sees kannst du auf der Seeterrasse entspannen, bevor ein ebener Fußweg in rund 20 Minuten zurück zum Parkplatz an der Talstation der Kreuzeckbahn leitet.
Highlights: Kandahar-Rennstrecke & Aussichtspunkt
Ein beeindruckender Ort während der Sommermonate ist die Inspektion der Kandahar-Abfahrt zu Fuß. An Passagen wie dem berühmten „Freien Fall“ – der mit 92 Prozent Neigung als steilste Stelle im alpinen Weltcup gilt – wird erst ohne Schnee sichtbar, wie extrem die Topografie des Berges abfällt.
Ein weiteres Highlight ist das Panorama direkt am hölzernen Gipfelkreuz. Der Blick reicht von hier aus nach Norden über den gesamten Talkessel von Garmisch-Partenkirchen hinweg zum Ammergebirge und zur Soiern- sowie Karwendelgruppe. Drehst du dich nach Süden, blickst du direkt in das felsige Herz des Wettersteingebirges mit den aufragenden Wänden der Hochblassen, der Alpspitze und der Zugspitze im Westen.
Einkehr auf dem Berg
- Kreuzeckhaus (1.652 m): Die DAV-Sektionshütte liegt unmittelbar neben der Bergstation der Kreuzeckbahn. Sie verfügt über eine weitläufige Aussichtsterrasse und serviert ganztägig warme bayerische Gerichte, Brotzeiten und hausgemachte Kuchen.
- Hochalm (1.705 m): Die traditionelle Almwirtschaft erreichst du nach etwa 35 Minuten Fußmarsch von der Bergstation in Richtung Osterfelderkopf. Sie liegt geschützt in einer Almweide-Mulde unterhalb der Bernadeinvand und bietet klassische Käsebrotzeiten und Erfrischungen.
- Kandahar 2 (1.680 m): Direkt am Einstieg der Rennstrecke gelegene Skihütte, die in den Sommermonaten an gut besuchten Wochenenden Getränke und Snacks auf der Terrasse anbietet.
Praktische Infos für deinen Ausflug
Anreise & Parken
- Parkplatz Kreuzeckbahn / Alpspitzbahn (Am Kreuzeckbahnhof 1, 82467 Garmisch-Partenkirchen): Großer, kostenpflichtiger Tagesparkplatz direkt an den Talstationen der Seilbahnen.
- Parkplatz Riessersee (Rieß 5, 82467 Garmisch-Partenkirchen): Gebührenpflichtige Ausweichmöglichkeit für Wanderer, die den Aufstieg oder Abstieg direkt am See beginnen möchten.
Anreise mit ÖPNV
Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln verläuft direkt bis an den Fuß des Berges: Vom Hauptbahnhof Garmisch-Partenkirchen steigst du am Zugspitzbahnhof direkt in die Zahnradbahn der Bayerischen Zugspitzbahn um. Diese hält nach wenigen Minuten Fahrt an der Haltestelle Kreuzeckbahn / Alpspitzbahn. Alternativ verbinden die Ortsbusse der Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen den Hauptbahnhof regelmäßig mit der Talstation.
Mein Fazit – Lohnt sich das Kreuzeck?
Das Kreuzeck bietet ganz unterschiedliche Erlebnisse. Es verbindet eine bequeme Erreichbarkeit per Seilbahn mit großartiger Aussicht und bildet so die Basis für familienfreundliche Touren. Wer mehr wandern will, startet von der Bergstation hinauf in die Berge.
Mein persönlicher Insider-Tipp für dich: Nutze für deinen Tag am Berg das Rundfahrt-Ticket „Garmisch-Classic“! Du fährst morgens mit der Kreuzeckbahn hoch, wanderst über die Hochalm hinauf zum Osterfelderkopf mit der gläsernen Aussichtsplattform AlpspiX und schwebst am Nachmittag mit der Alpspitzbahn wieder hinab zum Ausgangspunkt.
Suchst du nach Inspiration für die nächsten Tage deiner Reise? Wenn du am folgenden Tag eine tief eingeschnittene Schlucht erkunden möchtest, lohnt sich der Durchstieg durch die Höllentalklamm oder die Partnachklamm. Möchtest du nach den Höhenmetern lieber am Wasser entspannen, bieten sich der Lautersee und der Ferchensee bei Mittenwald für eine Seen-Runde an!
