Waxensteine

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Die Waxensteine: Der wilde Felsriegel über dem Eibsee

Wer am Eibsee steht oder von Grainau hinaufblickt, sieht sie sofort: Die Waxensteine bilden eine der eindrucksvollsten Felsketten im Wettersteingebirge. Als Vorgipfelkamm ragen der Große Waxenstein (2.277 m), der Kleine Waxenstein (2.136 m) sowie die Zwölferköpfe steil über dem Loisachtal und dem dunkelblauen Wasserspiegel des Eibsees auf.

Während viele Wanderer den Eibsee umrunden oder mit der Seilbahn auf die Zugspitze fahren, bleiben die Waxensteine das Revier für erfahrene und trittsicherer Bergsteiger. Es gibt hier weder Seilbahnen noch präparierte Ausflugswege – dafür wilde Kare, ausgesetzte Kraxelpassagen und ein unverfälschtes Alpin-Erlebnis mit erstklassigem Tiefblick. In diesem Beitrag erfährst du alles über die Besteigung des Großen Waxensteins, die alpinen Anforderungen, Routenverläufe und praktischen Vorbereitungen.

Die Waxensteine auf einen Blick

Die Waxensteingruppe erstreckt sich als schmaler, ausgesetzter Felsgrat im bayerischen Teil des Wettersteingebirges, direkt südlich von Grainau. Der höchste und prominenteste Punkt ist der Große Waxenstein mit 2.277 m ü. NHN. Östlich schließen sich der Kleine Waxenstein und die Schönangerpitze an, nach Westen setzt sich der Grat in Richtung der Riffelspitzen ab.

Eine Besteigung des Großen Waxensteins ist eine extrem anspruchsvolle Alpin-Tour. Es handelt sich nicht um einen markierten Standardwanderweg: Große Teile des Aufstiegs führen durch unwegsames Fels- und Geröllgelände, in dem Orientierungssinn, absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit zwingend erforderlich sind. An mehreren Stellen muss der I. und II. Schwierigkeitsgrad nach UIAA im Fels frei geklettert werden. Die Tourensaison dauert von Ende Juni bis Anfang Oktober, je nachdem, wie lange in den steilen Nordkarren noch Altgebirgsschnee liegt bzw. bereits Neuschnee fällt.

Anstiegsroute auf den Großen Waxenstein

Die klassische Route führt von Norden aus dem Tal hinauf auf den Gipfel. Sie lässt sich in drei Etappen unterteilen.

1. Zustieg von Hammersbach zur Höllentalangerhütte

Der Ausflug startet im Grainauer Ortsteil Hammersbach. Du folgst zunächst dem Wanderweg durch die beeindruckende Höllentalklamm (oder wählst bei Schließung den Weg über den Stangensteig) hinauf ins offene Höllental. Nach rund 2 bis 2,5 Stunden erreichst du die modern neu erbaute Höllentalangerhütte (1.387 m), die sich ideal als Stützpunkt oder für eine kurze Rast vor dem steilen Gipfelanstieg eignet.

2. Anstieg durch das Waxenstein-Kar

Kurz hinter der Höllentalangerhütte bzw. im Bereich der unteren Angerflächen zweigt die Route unbeschildert nach Norden in das Waxenstein-Kar ab. Hier endet der komfortable Wanderweg. Auf Steigspuren und über steile Schutt- und Geröllfelder geht es mühsam ansteigend empor in Richtung der felsigen Flanken. Die Orientierung orientiert sich an vereinzelt gesetzten Steinmandln.

3. Felsaufstieg und Gipfelgrat

Im oberen Wandbereich steigst du über mehrere Felsstufen, Rinnen und Bänder bergauf. Hier ist stellenweise Hände-Einsatz im II. Grad erforderlich. Die Abschnitte sind teils stark ausgesetzt, Steinschlaggefahr durch vorausgehende Bergsteiger ist auf dem brüchigen Wettersteinkalk jederzeit möglich. Schließlich erreichst du den schmalen Gipfelgrat und folgst ihm bis zum Gipfelkreuz des Großen Waxensteins. Für den reinen Aufstieg ab Hammersbach solltest du rund 4,5 bis 5,5 Stunden einplanen (ca. 1.500 Höhenmeter).

Highlights: Tiefblick zum Eibsee & Höllental-Perspektive

Die Waxensteine belohnen den harten Anstieg mit Eindrücken, die man auf den ausgebauten Nachbargipfeln vergeblich sucht. Das absolute Highlight ist der dramatische Tiefblick auf den Eibsee. Aus der Vogelperspektive blickst du fast senkrecht hinab auf das grün-blaue Schimmern des Sees und die kleine Inselwelt am Nordufer. Nach Süden öffnet sich der Blick direkt hinein in den riesigen Kessel des Höllentals, über den der Höllentalferner und der Jubiläumsgrat hinauf zur Zugspitze ziehen. Da der Gipfelbereich klein und kompakt ist, genießt man hier noch die echte, stille Gipfelrast im kleinen Kreis.

Ausrüstung & Sicherheitshinweise

Da es sich bei den Waxensteinen um kein einfaches Bergwandern handelt, muss die Ausrüstung sorgfältig gewählt werden:

  • Helm Pflicht: Aufgrund des brüchigen Gesteins und des steilen Kars besteht hohe Steinschlaggefahr.
  • Schuhwerk: Stabile, steife Kategorie-B/C-Bergstiefel mit griffiger Profilsohle für das Klettern im Schutt und Fels.
  • Orientierung: GPS-Track sowie fundierte Tourenkarte nutzen, da der Weg nicht durch offizielle Schilder des Alpenvereins markiert ist.
  • Wetterbericht: Ein Raufkommen im Nassen oder bei Nebel ist wegen Rutschgefahr im Fels und extremer Orientierungslosigkeit brandgefährlich.

Praktische Infos für deine Planung

Anreise & Parken

  • Wanderparkplatz Hammersbach (Hammersbacher Fußweg, 82491 Grainau): Zentraler, kostenpflichtiger Parkplatz am Einstieg ins Höllental.
  • Parkplatz Zugspitzbad Grainau (Parkstraße 8, 82491 Grainau): Ausweichmöglichkeit im Dorfzentrum von Grainau.

Anreise mit ÖPNV

Vom Hauptbahnhof Garmisch-Partenkirchen nimmst du die Bayerische Zugspitzbahn oder den Ortsbus der Gemeindewerke bis zur Haltestelle Hammersbach (Grainau). Von dort läufst du in wenigen Minuten direkt zum Tourenstart.

Mein Fazit – Lohnen sich die Waxensteine?

Der Große Waxenstein ist optisch der schönste Berg am Eibsee. Er ist genau der richtige Berg für erfahrene Alpinisten, die eine echte Herausforderung abseits erschlossener Modegipfel suchen und die Kombination aus Felskraxelei, Einsamkeit und gewaltigem Tiefblick schätzen.

Mein persönlicher Insider-Tipp für dich: Teile die Tour in zwei entspannte Tage auf! Wandere am späten Nachmittag durch die kühle Höllentalklamm hinauf zur Höllentalangerhütte, übernachte dort und starte am nächsten Morgen im ersten Tageslicht zum Waxenstein-Kar. So hast du die Felswand für dich allein und bist lange vor der Mittagshitze am Gipfel!

Suchst du nach Inspiration für die ruhigeren Tage deines Urlaubs? Wenn du nach der Waxenstein-Kraxelei am nächsten Tag die Füße entspannen möchtest, lohnt sich eine leichte Tour durch die Partnachklamm, die Leutaschklamm oder ein gemütlicher Ausflug auf den benachbarten Eckbauer über Garmisch-Partenkirchen!

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