Große Ahrnspitze: Der stille Panoramagipfel an der Grenze
Am östlichsten Ausläufer des Wettersteingebirges erhebt sich die Große Ahrnspitze (2.158 m) als besonders außergewöhnlicher Grenzgipfel zwischen Bayern und Tirol. Während drüben an der Zugspitze und auf dem Osterfelderkopf reger Seilbahnbetrieb herrscht, geht es an der Ahrnspitze herrlich ursprünglich, rau und beschaulich zu. Hier bist du selbst an schönen Tagen fast alleine am Berg!
Der Gipfel belohnt den ausdauernden Aufstieg mit einem fantastischen Weitblick: Nach Osten schaust du über das Isartal hinein ins Karwendelgebirge, während sich nach Westen das gesamte Wettersteingebirge mit den Steilwänden der besonders gut sichtbaren Oberen Wettersteinspitze aufbaut. In diesem Beitrag erfährst du alles über die genauen Zustiegsrouten ab Scharnitz, Mittenwald und Leutasch über den Hohen Sattel sowie praktische Tipps für deine Planung.
Die Große Arnspitze auf einen Blick
Die Große Arnspitze – im Sprachgebrauch oft auch Große Ahrnspitze genannt – liegt auf 2.196 m ü. A. genau auf der Staatsgrenze zwischen Deutschland (Bayern) und Österreich (Tirol). Sie der zentrale Gipfel der Arnspitzgruppe, die geologisch dem Wettersteingebirge zugerechnet wird.
Eine Besteigung erfordert Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und gute Kondition für 1.100 bis 1.250 Höhenmeter. Im oberen Bereich verläuft die Route über schmale, steile Schotter- und Schrofenpfade sowie Felsgelände. Die ideale Zeit für eine Begehung ist zwischen Juni bis Oktober, solange kein Schnee liegt.
Anstiegsrouten zur Großen Arnspitze
Die Große Arnspitze lässt sich von drei verschiedenen Ausgangspunkten aus erwandern, die sich auch zu einer anspruchsvollen Überschreitung kombinieren lassen.
1. Der Klassiker: Aufstieg ab Scharnitz / Ried
Der meistbegangene Anstieg startet am nördlichen Ortsrand von Scharnitz im Ortsteil Ried. Vom Parkplatz folgst du zunächst dem Forstweg in Richtung Riedberg. Schon bald zweigt der markierte Steig ab, der sich in etlichen Kehren durch den steilen Bergwald nach oben schraubt.
Auf etwa 1.520 Metern Höhe erreichst du das freie Wiesenplateau der Riedalm. Ab der Alm wird der Steig schmaler und leitet durch dichter werdendes Latschengelände hinauf in den Ahrnsattel (Riedbergsattel). Von dort geht es über den teils ausgesetzten, schrofigen Südostgrat im felsigen Gelände steil empor bis zum Gipfelkreuz der Großen Arnspitze. Für diese Route planst du rund 3,5 Stunden Aufstieg ein.
2. Die Leutasch-Variante: Aufstieg via Hoher Sattel
Dieser abwechslungsreiche Anstieg beginnt im Leutascher Ortsteil Ahrn. Du startest am Parkplatz Ahrn und folgst dem Wanderweg hinauf zum Hohen Sattel (1.495 m), dem bewaldeten Passübergang zwischen Leutasch und Scharnitz. Am Hohen Sattel zweigt der Steig zur Arnspitzgruppe ab. Über den sogenannten Riedberg-Sattelweg führt die Route in stetigem Bergauf durch den schattigen Hochwald, quert dann die sehr schottrige Südflanke der Arnspitze und trifft unterhalb des Ahrnsattels auf den Aufstiegsweg von Scharnitz. Zusammen mit diesem geht es über die steilen Fels- und Schrofenstufen hinauf zum Gipfel. Bei dieser Variante bewältigst du knapp 1.100 Höhenmeter in gut 3,5 bis 4 Stunden.
3. Der nordseitige Anstieg ab Mittenwald / Schanz
Wer auf bayerischer Seite startet, beginnt die Tour im Süden von Mittenwald beim ehemaligen Grenzübergang Schanz (Unterleutasch). Von dort führt ein Steig steil durch den Schanzwald empor. Der Pfad verläuft schattig durch das Hochried, passiert die Jagdhütte und zieht über den Nordostrücken hinauf in Richtung Ahrnsattel, wo er auf die Routen aus Scharnitz und Leutasch trifft. Diese Variante erfordert eine durchgehend gute Kondition auf schmalen Waldsteigen.
Highlights: Grenzgänger-Gefühl & Karwendel-Blick
Ein besonderes Erlebnis ist das Wandern auf historischen Grenzpfaden: Entlang des Gratverlaufs passierst du alte Grenzsteine, die historisch die Grenze zwischen dem Königreich Bayern und der Grafschaft Tirol markierten.
Das eigentliche Highlight ist jedoch das unverstellte Panorama am Gipfelkreuz. Durch die frei stehende Position am Ostrand des Wettersteins blickst du direkt auf die mächtigen Felswände der Obere Wettersteinspitze und hinüber zum Arnstock. Gleichzeitig liegt dir das obere Isartal mit Mittenwald und Scharnitz zu Füßen, eingerahmt von den kühnen Bergspitzen des Karwendels.



Praktische Infos für deine Planung
Anreise & Parken
- Parkplatz Scharnitz / Ried (Ried 39, 6108 Scharnitz, Österreich): Kostenpflichtiger Parkplatz direkt am Ausgangspunkt für den klassischen Aufstieg.
- Parkplatz Leutasch / Ahrn (Ahrn 16, 6105 Leutasch, Österreich): Gebührenpflichtiger Parkplatz nahe dem Einstieg zum Hohen Sattel.
- Parkplatz Schanz / Unterleutasch (Leutascher Straße, 82481 Mittenwald): Startpunkt an der Grenze für den Anstieg von Norden.
Anreise mit ÖPNV
Sowohl Scharnitz als auch Leutasch sind gut angebunden: Mit der Bahn (Werdenfelsbahn oder S-Bahn Tirol) fährst du direkt bis zum Bahnhof Scharnitz und erreichst den Ortsteil Ried in etwa 15 Gehminuten. Nach Leutasch (Haltestelle Ahrn) sowie zum Grenzübergang Schanz fahren regelmäßige Regionalbusse ab Seefeld und Leutasch.
Mein Fazit – Lohnt sich die Große Ahrnspitze?
Die Große Arnspitze ist das perfekte Ziel für alle erfahrenen Bergwanderer, die eine echte, ursprüngliche Tour im Wettersteingebirge suchen. Die Kombination aus ruhigen Steigen, der Wegführung über den Hohen Sattel oder die Riedalm und dem überragenden Karwendel-Wetterstein-Blick macht diesen Gipfel zu einem echten Highlight.
Suchst du nach weiteren Tourenideen für die nächsten Tage? Wenn du nach der Arnspitze weitere aussichtsreiche Gipfel erkunden willst, lohnt sich eine Wanderung auf den benachbarten Hoher Kranzberg bei Mittenwald oder ein Aufstieg zur extrem aussichtsreihen Gehrenspitze ab Leutasch-Puitbach. Für einen entspannten Tag am Wasser bieten sich die nahegelegenen Badeseen Lautersee und Ferchensee an! Den besten Blick auf die Ahrnspitze hast du übrigens gegenüber aus dem schönen Puittal.

