Das Reintal: Das wilde Herz des Wettersteingebirges
Wer den urigsten, landschaftlich faszinierendsten und imposantesten Talraum im gesamten Wettersteingebirge erleben möchte, kommt ins Reintal. Das tief eingeschnittene Hochtal zieht sich über rund 15 Kilometer vom Skistadion in Garmisch-Partenkirchen stetig ansteigend nach Westen – direkt hinein in die hohen Wettersteingebirge Berge.
Flankiert von den teils über 1.400 Meter aufragenden Felswänden des Hochwanner im Süden und der Alpspitze sowie des Hochblassen im Norden, gilt das Reintal als der landschaftlich reizvollste Weg hinauf zur Zugspitze. Aber auch ohne Gipfelambitionen ist die Wanderung entlang der kristallklaren, türkisblauen Partnach ein echtes Naturerlebnis. In diesem Beitrag erfährst du alles über die Geschichte, die Etappen, die Hütten und die Besonderheiten dieses einzigartigen Tals.
Das Reintal auf einen Blick
Das Reintal wird von der noch jungen, wilden Partnach durchflossen, die hoch oben am Zugspitzplatt aus dem Schmelzwasser entspringt. Das Tal gliedert sich in das flachere, bewaldete Vorderreintal und das hochalpine Oberreintal. Eine durchgehende Wanderung von Garmisch-Partenkirchen bis zum Reintalanger ist lang, weist aber auf den ersten Kilometern nur mäßige Steigungen auf. Erst im hintersten Talabschluss steilt das Gelände drastisch auf. Die Tourensaison geht normal von Ende Mai bis Oktober, je nachdem, wann die Hänge schnee- und lawinenfrei sind.
Der klassische Weg durch das Reintal auf die Zugspitze
Die Wanderung durch das Reintal lässt sich ideal in prägnante Abschnitte unterteilen, die sich auch perfekt als mehrtägige Hüttentour planen lassen.
1. Von Garmisch durch die Partnachklamm zur Bockhütte
Der Ausflug beginnt am Olympia-Skistadion in Garmisch-Partenkirchen. Ein absolutes Highlight gleich zu Beginn ist der Durchstieg durch die spektakuläre Partnachklamm, in der das Wasser brausend durch meterhohe Felswände schäumt. Dahinter öffnet sich das Tal sanft. Entlang der rauschenden Partnach führt ein breiter, gut ausgebauter Forstweg tiefer in den Gebirgskessel hinein, bis nach gut zwei bis drei Stunden die idyllisch gelegene Bockhütte (1.052 m) erreicht ist.
2. Von der Bockhütte zur Reintalangerhütte
Hinter der Bockhütte verwandelt sich der Weg in einen schmalen, naturnahen Bergpfad. Du passierst die Stelle, an der einst die berühmten Blauen Gumpen lagen – ein sagenhaftes Naturjuwel aus kristallklaren, tiefblauen Felsbecken, das im August 2005 durch ein gewaltiges Unwetter und einen Hangrutsch leider völlig zerstört wurde. Kurz vor dem Talabschluss erreichst du die historisch bedeutsame Reintalangerhütte (1.368 m) des Deutschen Alpenvereins, die direkt am Ufer der jungen Partnach liegt.
3. Der Steilanstieg zur Knorrhütte und zum Zugspitzplatt
Wer weiter zur Zugspitze wandert, lässt das grüne Tal hinter sich. Hinter der Reintalangerhütte führt der Weg über den offenen Oberanger und von dort steil empor. Über Karre und Geröllfelder schraubt sich der Steig in Serpentinen hinauf zur hochalpin gelegenen Knorrhütte (2.052 m) am Rande des Zugspitzplatts. Von hier sind es nur noch wenige Stunden über das Platt und und das finale, seilgesicherte Steilstück hinauf zum Zugspitzgipfel.
Die Gatterl-Alternative ins Gaistal:
Statt zum Gipfel abzuzweigen, hältst du dich an der Knorrhütte südlich in Richtung Plattsteig und überschreitest am Gatterl (2.024 m) die Staatsgrenze nach Österreich. Dieser Übergang gibt den Blick auf die gewaltige Leutascher Landschaft frei. Vom Gatterl geht es sanft absteigend über das Feldernjöchl und die Ehrwalder Alm hinab ins grüne Gaistal. Diese Route eignet sich hervorragend für eine mehrtägige Wetterstein-Durchquerung von Bayern nach Tirol.
Highlights im Reintal: Partnach-Ursprung & Oberreintal
Das Reintal überzeugt durch seine urtümliche Natur und gewaltige Felskulisse. Ein besonderes Naturschauspiel ist der Partnach-Ursprung oberhalb der Reintalangerhütte, wo das Wasser direkt aus den Felsen des Zugspitzmassivs bricht. Unterhalb des Tals zweigt das berühmt-berüchtigte Oberreintal ab. Dieses Seitental gilt seit Generationen als das Dorado und das traditionelle Kletterzentrum der Garmischer Bergsteigergemeinschaft. Die steilen, glatten Kalkwände rings um die Oberreintalhütte sind der Geburtsort zahlreicher alpiner Kletterklassiker.
Einkehr & Übernachtung im Tal
- Bockhütte (1.052 m): Einfach bewirtschaftete Almeinkehr für eine kühle Erfrischung und traditionelle Brotzeiten im vorderen Talbereich.
- Reintalangerhütte (1.368 m): Der legendäre Stützpunkt der DAV-Sektion München. Bekannt für die herzliche Gastfreundschaft, leckeres Essen und den Schlafplatz direkt am rauschenden Gebirgsbach.
- Knorrhütte (2.052 m): Die alpine Schutzhütte auf der Hochfläche, ideal als Zwischenstation vor dem finalen Gipfelsturm auf die Zugspitze.
Praktische Infos für deine Planung
Anreise & Parken
Parkplatz Olympia-Skistadion (Karl-und-Martin-Neuner-Platz, 82467 Garmisch-Partenkirchen): Der große, gebührenpflichtige Hauptparkplatz direkt am Startpunkt der Tour, ist gleichzeitig der offizielle Partnachklamm Parkplatz.
Anreise mit ÖPNV
Mit der Bahn fährst du bis zum Bahnhof Garmisch-Partenkirchen. Von dort bringen dich die Ortsbusse der Gemeindewerke oder die Bayerische Zugspitzbahn in wenigen Minuten direkt zum Olympia-Skistadion.
Mein Fazit – Lohnt sich das Reintal?
Das Reintal verbindet rauschende Wassergewalten, schattige Urwälder und friedliche Almböden mit der gewaltigen Kulisse der höchsten Felswände Deutschlands. Ob als entspannte Tageswanderung bis zur Reintalangerhütte oder als landschaftlich sanftester Aufstieg auf die Zugspitze – dieses Tal hinterlässt tiefen Eindruck.
Mein persönlicher Insider-Tipp für dich: Starte früh am Morgen am Skistadion und wandere ganz entspannt bis zur Reintalangerhütte. Kehre dort ein, setze dich mit einer frischen Schorle an das Ufer der Partnach und kühle deine Füße im eisklaren Wasser ab, während du die gewaltige Südwand der Alpspitze über dir bestaunst! Es ist ein bißchen wie im Wimbachtal, oberhalb der Wimbachklamm.
Suchst du nach weiteren Tourenideen in der Umgebung? Wenn du nach der Reintal-Wanderung am nächsten Tag eine sanftere Panoramarunde drehen möchtest, lohnt sich ein Ausflug auf den nahegelegenen Eckbauer oder auf den Hohen Kranzberg. Wenn dir die Partnachklamm im Reintal gefallen hat, wirst du auch die Höllentalklamm und die Leutaschklamm lieben.
